Die Mainzelbahn: moderne Tramstrecke mit Überlandcharakter

Wagen 232 (Variobahn, Stadler 2016) überquert die Bücke über die A60 zwischen den Stadtteilen Bretzenheim und Marienborn.

In diesem Jahr wird die Mainzelbahn in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zehn Jahre alt. Bei der 9,2 Kilometer langen Strecke handelt es sich um das bislang größte Neubauprojekt der Mainzer Straßenbahn nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie bindet den ZDF-Standort im Stadtteil Lerchenberg sowie die Stadtteile Marienborn und Bretzenheim und die Johannes-Gutenberg-Universität an die Innenstadt an.

Der M8C 272 (Duewag 1984) hat gerade die im Hintergrund sichtbare Wendeschleife Marienborn Bahnhof in Richtung Innenstadt verlassen und wird gleich die Haltestelle Wiesenstraße erreichen. Die sechs Mainzer M8C gehören neben den Krefelder Wagen mittlerweile zu den letzten dieses Typs, die noch in Deutschland im regulären Einsatz stehen. Wohl ab 2028 werden sie durch neue ForCity Smart von Škoda ersetzt.

Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) stellte das Projekt 2010 vor, nachdem der Stadtrat ein Jahr zuvor die Prüfung einer möglichen Strecke auf den Lerchenberg beschlossen hatte. Entsprechende Korridore waren bereits in den Bebauungsplänen der 1980er Jahre freigehalten worden, Das Planfeststellungsverfahren wurde im Januar 2012 eingeleitet und dauerte bis September 2013. Im Mai 2014 begannen die Bauarbeiten und schon am 11. Dezember 2016 konnte die neue Strecke in Betrieb gehen.

An der Haltestelle Marienborn Bahnhof unterquert die Mainzelbahn die Bahnstrecke Alzey – Mainz. Hier ist der GT6M 202 (Adtranz 1996) unterwegs in Richtung Innenstadt und weiter nach Hechtsheim.

Streckenverlauf

Die Mainzelbahn beginnt auf der Westseite des Mainzer Hauptbahnhofs, wo sie von der Strecke nach Bretzenheim abzweigt und der Saarstraße nach Westen folgt. Interessanterweise gab es auf dem ersten Abschnitt bis zur Johannes-Gutenberg-Universität schon einmal eine Straßenbahn. Sie wurde 1946 eröffnet, jedoch schon zehn Jahre später wegen des geplanten Ausbaus der Saarstraße wieder stillgelegt. Die Mainzelbahn folgt weiter der Saarstraße bis zur Haltestelle Kisselberg, wo sie in südliche Richtung schwenkt und die Hochschule Mainz in einem Bogen umfährt.

Netzplan der Mainzer Straßenbahn mit der Mainzelbahn (Linien 51, 53 und 59), Stand 2026 (Wikimedia Commons/Wiesenpinguin, CC BY-SA 4.0)

Kurz hinter der Haltestelle Hochschule Mainz befindet sich eine Wendeschleife, an der die Linie 59 endet. Bald darauf wird der Westteil von Bretzenheim erreicht. Die Mainzelbahn ist damit die zweite Tramstrecke, die den Stadtteil erschließt. Im Ortskern weiter östlich endet die Linie 52. Am südlichen Ortsrand von Bretzenheim, nahe dem Autobahnkreuz Mainz-Süd, überquert die Mainzelbahn die A60 auf einer Brücke.

Wagen 213 (GT6M, Adtranz 1996) erklimmt die Steigung hinter der Haltestelle Marienborn Bahnhof hinauf zum Lerchenberg.

Danach wird der Stadtteil Marienborn erreicht. An der Haltestelle Marienborn Bahnhof unterquert die Mainzelbahn die Eisenbahnstrecke Alzey – Mainz; es besteht Anschluss zwischen Zug und Straßenbahn. Unmittelbar hinter der Haltestelle beginnt die Steigung hinauf zum Lerchenberg. Neben den ausgedehnten Anlagen des ZDF befinden sich dort eine Wohnsiedlung sowie ein Schulzentrum.

Wagen 272 (M8C, Duewag 1984) auf der Steigung parallel zum Marienborner Bergweg

Verkehr

Drei Linien verkehren auf der Mainzelbahn. Die Linie 59 vom Zollhafen endet an der Hochschule Mainz. Die Linie 51 von Finthen Poststraße und die Linie 53 von Hechtsheim Bürgerhaus verkehren bis zur Endstation Hindemithstraße auf dem Lerchenberg. In der Nebenverkehrszeit endet die Linie 51 jedoch schon an der Haltestelle Marienborn Wiesenstraße. Die Fahrzeuge wenden dann in der Schleife vor dem Bahnhof Marienborn. Die Linie 51 und 53 verkehren im 15-Minuten-Takt, die Linie 59 im 30-Minuten-Takt.

Alle Linien verkehren im Einrichtungsbetrieb, sodass hier alle Fahrzeugtypen eingesetzt werden können. Während die Duewag M8C und Adtranz GT6M Zweirichtungsfahrzeuge sind, handelt es sich bei den Variobahnen von Stadler um Einrichtungswagen.

Der M8C 275 (Duewag 1984) war als Fahrschule unterwegs, hier auf der Fahrt hinab nach Marieborn parallel zum Marienborner Bergweg.

Weitere Ausbaupläne in Mainz

Ein Jahr nach der Mainzelbahn wurde in Mainz die Strecke zum neuen Stadtquartier auf dem Gelände des ehemaligen Zollhafens eröffnet. Weitere Ausbauten wurden 2020 beschlossen. Unter dem Projektnamen „M wie Zukunft – Meine Straßenbahnstadt“ werden drei Maßnahmen verfolgt.

In Bau befindet sich seit 2024 eine Verbindungsspange zwischen dem Münsterplatz und dem Alicenplatz nahe dem Hauptbahnhof. Diese nur knapp 300 Meter lange Strecke dient vor allem dazu, den stark befahrenen Knoten am Hauptbahnhof zu entlasten. Mit der Fertigstellung wird noch 2026 gerechnet.

Wagen 209 (GT6M, Adtranz 1996) passiert auf dem Weg vom Lerchenberg ein Gebäude der ZDF-Studios sowie den Hofladen eines Obstbaubetriebs.

Deutlich umfangreicher ist die geplante neue Straßenbahnstrecke vom Schillerplatz über das Höfchen in Richtung Mainzer Neustadt. Diese befindet sich noch in der Vorplanung; mit einem Baustart wird 2029 gerechnet. Noch weiter in der Zukunft liegt der Start für eine geplante Strecke zur Universitätsklinik und zum Heiligkreuz-Viertel, einem Quartier, das seit 2017 auf dem ehemaligen IBM-Gebände im Südosten der Stadt entsteht.

Alle Fotos entstanden am 1. Dezember 2025.

Links

Mainzer Mobilität: M wie Zukunft (Website zu den Ausbauprojekten)

Straßenbahnfreunde Mainz e. V.: Neubaustrecke Mainzelbahn (Bilder vom Bau)

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