Mettis: Busway-System in Metz

Wagen 1305 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) auf der Rue Gambetta kurz vor dem Bahnhof Metz-Ville

Neben zahlreichen modernen Tramnetzen hat Frankreich auch einige ungewöhnliche Nahverkehrssysteme auf Gummireifen zu bieten. Während der Translohr in Clermont-Ferrand und in der Region Île-de-France sowie der mittlerweile verschwundene TVR in Caen und Nancy spurgeführt sind, verfügt der Mettis in Metz lediglich über eine eigene Trasse. Das als Bus à haut niveau de service (BHNS), Bus Rapid Transit (BRT) oder Busway bezeichnete System wird mit Hybrid-Doppelgelenkbussen des belgischen Herstellers Van Hool betrieben. Es ging 2013 mit zwei Linien in Betrieb; eine dritte soll 2027 folgen.

Wagen 1322 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) verlässt die Endhaltestelle P+R Woippy der Linie A auf dem Weg in Richtung Hôpital Schuman.

Aufgebenträger ist die Euro-Métropole de Metz, die den Nahverkehr unter dem Namen LE MET‘ vermarktet. Das BHNS-Sytem erhielt den Namen Mettis, eine historische Form des Stadtnamens. Betrieben wird das Netz vom Unternehmen TEM, das zu 60 Prozent der Euro-Métropole und zu 40 Prozent Keolis gehört.

Vorgeschichte

Die Stadt Metz mit rund 122.000 Einwohnern liegt in der Region Grand-Est im Nordosten Frankreichs, am Oberlauf der Mosel. Sie war bis zur großen Gebietsreform 2016 Hauptstadt der Region Lorraine (Lothringen). In Metz gab es seit 1875 eine Pferdebahn, die ab 1902 elektrifiziert wurde. Wie in vielen französischen Städten wurde die Straßenbahn schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stillgelegt. Die letzte Tram fuhr 1948, nachdem ein Jahr zuvor die Umstellung auf Trolleybusbetrieb begonnen hatte. Doch auch dieser hielt sich nur bis 1966.

Wagen 1322 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) an der Haltestelle Deux Fontaines in Woippy

Von da an wurde der öffentliche Nahverkehr nur noch mit Dieselbussen betrieben. Pläne für ein leistungsfähigeres ÖPNV-System kamen in den 1990er Jahren auf. Zunächst waren auch ein TVR-System wie in Caen und Nancy oder eine Straßenbahn erwogen worden. Die Straßenbahn-Idee konnte sich jedoch nicht durchsetzen, wobei als Gründe neben den Kosten oft die zu erwartenden engen Bogenradien in der Innenstadt genannt wurden. Um welche konkreten Radien es sich dabei gehandelt haben soll, ist jedoch in öffentlich zugänglichen Quellen nicht ersichtlich. Interessanterweise führte eine Vergleichsstudie für die Stadt Besançon das gleiche Argument für die Tram und gegen den Bus an. Auch die Störung des Stadtbilds durch Oberleitungen war ein Argument für den BHNS und gegen die Tram.

Im Jahr 2009 wurde schließlich eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt und ein Jahr später wurde dem BHNS-Projekt die Gemeinnützigkeit bescheinigt.

Eröffnung 2013

Nach ersten Vorarbeiten begannen die eigentlichen Bauarbeiten an den gesonderten Trassenabschnitten 2011. Bei Van Hool wurden 27 Hybrid-Doppelgelenkbusse des Typs ExquiCity 24 bestellt, die im Lauf des Jahres 2013 ausgeliefert wurden. Die Belgier konnten sich in der Ausschreibung gegen Hess und APTS durchsetzen. Die Fahrzeuge sind 23,82 m lang und bieten Platz für 150 Fahrgäste. Die Busse sind in vier verschiedenen Farben unterwegs: Grün, Gelb, Blau und Pink. Das Karosseriedesign weicht von dem der übrigen ExquiCity ab und kommt in dieser Form ansonsten nur bei einer Serie für Martinique vor. Ungewöhnlich ist, dass Front- und Heckpartie identisch sind.

Begegnung der Wagen 1318 und 1324 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) an der Haltestelle Georges Bernanos

Am 5. Oktober 2013 ging das System mit den Linien A (Woippy P + R – Borny Jules Michelet) und B (Cité U – Peltre Maternité) in Betrieb. Das bisherige Busliniennetz wurde entsprechend umstrukturiert.

Netz aus zwei Linien

Das Mettis-Netz besteht aus zwei Linien, die sich im Innenstadtbereich einen 5,4 km langen Streckenabschnitt teilen. Die Linie A führt von einem Park-and-Ride-Parkplatz in der nördlichen Nachbargemeinde Woippy über die Moyen Pont, das Zentrum und den Bahnhof zur Haltestelle Hauts de Blémont im Osten der Stadt, wonach sie sich seit 2025 in zwei Äste mit den Endpunkten Jules Michelet im Stadtteil Borny und Hôpital Schuman gabelt. Von Woippy bis Jules Michelet ist die Linie 12,5 km lang, der Ast zum Hôpital Schuman misst 2,2 km.

Wagen 2002 (ExquiCity 24, Van Hool 2020) aus der zweiten Serie auf der Eigentrasse zwischen der Haltestelle Georges Bernanos und der Pont Eblé über den Moselkanal

Die 11 km lange Linie B führt von der Universität in Nordwesten (Haltestelle Cité U) bis zur Moyen Pont, von wo sie sich die Strecke mit der Linie A bis zur Haltestelle Provence mit der Linie A teilt. Hiernach führt sie über das Messegelände zur Endstation Maternité in der südöstlichen Nachbargemeinde Peltre.

Wagen 1322 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) auf der Pont Eblé

In Woippy, Rochambeau und am Messegelände befinden sich Park-and-ride-Parkplätze. Während der Hauptverkehrszeiten wird auf beiden Linien ein Zehnminutentakt angeboten, sodass im Innenstadtbereich alle fünf Minuten eine Fahrmöglichkeit besteht. In den Schwachlastzeiten wird im Viertelstundentakt gefahren.

Betonfahrbahn und Vorrangschaltung

Der Mettis verfügt über eine komplett eigene Trasse und Vorrangschaltungen wie bei Straßenbahnen. Aufgrund des Gewichts der Fahrzeuge ist die Trasse als Betonfahrbahn angelegt. Sie verläuft meist parallel zu den Straßen für den Individualverkehr. Im Zentrum sind einige Straßenzüge ausschließlich dem Mettis vorbehalten. An den Außenästen, aber auch im Bereich des Moselkanals im Norden der Stadt gibt es komplett eigentrassierte Abschnitte.

Wagen 1313 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) hat gerade auf der Moyen Pont die Mosel überquert und wird gleich die Place de la République erreichen.

Die Trasse ist meist durch hohe Bordsteine von den Spuren für den Individualverkehr getrennt. Auf großen Plätzen wie an der Place de la République und am Bahnhof wurde anstelle der Betonfahrbahn eine solche aus Pflastersteinen verbaut. Das sieht zwar gefälliger aus, stört jedoch den Fahrkomfort.

Ursprünglich war das System für ein Fahrgastaufkommen von 25.000 Personen pro Tag ausgerichtet. Schon im Jahr benutzten es im Schnitt 32.000 Menschen täglich und im Jahr 2018 wurden 46.000 Reisende pro Tag gezählt.

Wagen 1321 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) auf der Moyen Pont, im Hintergrund die evangelische Kirche Temple Neuf

Im Jahr 2020 wurden aus einer mit Van Hool bestehenden Rahmenvereinbarung nochmals drei Fahrzeuge abgerufen.

Neue Linie und neue Fahrzeuge

Im kommenden Jahr soll eine dritte Linie in Betrieb gehen. Sie soll von der Haltestelle Ranconval am östlichen Rand der Innenstadt über den Bahnhof und die Place de la République in die südliche Nachbargemeinde Marly führen. Damit ersetzt sie die bisherige Buslinie L2. Die Gesamtlänge beträgt 10 km, wobei zwischen dem Bahnhof und der Place de la République die gemeinsame Trasse mit den Linien A und B genutzt wird.

Wagen 1321 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) und ein Citaro an der Haltestelle République

Eigentlich sollten auf der neuen Linie ebenfalls ExquiCity 24 von Van Hool zum Einsatz kommen, nun jedoch mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb. Ein Auftrag über 15 Fahrzeuge war bereits erteilt worden, doch die Insolvenz des Herstellers im Jahr 2024 vereitelte diese Pläne. Stattdessen wurden nun gewöhnliche Wasserstoff-Gelenkbusse des Typs Urbino 18 IV Hydrogen von Solaris bestellt.

Die Van-Hool-Fahrzeuge werden dagegen in einigen Jahren durch neue batterieelektrische Doppelgelenkbusse mit Schnellladestationen ersetzt. TEM hat im März 2026 eine Ausschreibung über 28 solcher Fahrzeuge veröffentlicht. Der Betreiber geht davon aus, dass sie 2030 ihren Dienst aufnehmen werden. Ursprünglich sollten auch hier Wasserstoff-Fahrzeuge zum Einsatz kommen, doch nach der Insolvenz von Van Hool kam TEM von diesem Plan wieder ab.

Wagen 1323 (ExquiCity 24, Van Hool 2013) am Bahnhof Metz-Ville, im Hintergrund der 1904 bis 1908 erbaute Wasserturm

BHNS oder Tram?

Ob nun eine Straßenbahn oder ein BHNS-System die bessere Lösung für eine Stadt wie Metz ist, ist wohl letztlich Abwägungssache. Das vergleichbare Nancy (103.000 Einwohner) hat sich nach dem Ende des TVR-Betriebs für ein Batterie-Trolleybus-System im Stil eines BHNS entschieden. Besançon (118.000 Einwohner) und Valenciennes (43.000 Einwohner mit dicht besiedeltem Umland) haben auf die Tram gesetzt. Untersuchungen zeigen, dass der Kostenvorteil des BHNS gegenüber der Straßenbahn mit steigender Beförderungsleistung geringer wird. Für Kiel mit rund 252.000 Einwohnern haben Gutachter 2022 die Tram gegenüber einem BRT (die französische Abkürzung BHNS ist in Deutschland nicht geläufig) empfohlen.

Die Fotos entstanden am 8. August 2026.

Links

Seite des Verkehrsverbunds: LE MET’

Seite zur geplanten Linie C bei der Euro-Métropole Metz

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