Mitte der 1960er Jahre hatte Essen als größte Stadt des Ruhrgebiets rund 730.000 Einwohner. Die Verkehrsplaner sahen langfristig die Umstellung des meterspurigen Straßenbahnnetzes auf Normalspur nach Stadtbahnstandard vor: Hochbahnsteige, komplett kreuzungsfreie Trassen im Tunnel oder aufgeständert, Radprofile nach Eisenbahnnorn. Schwach nachgefragte Strecken sollten auf Busbetrieb umgestellt werden. Geplant waren drei Hauptachsen, die ähnlich wie in Dortmund im Stadtzentrum ein Dreieck bilden sollten. Diese Achsen folgten weitgehend bestehenden Straßenbahnstrecken: 1) Gelsenkirchen – Katernberg – Porscheplatz (heute Rathaus) – Hauptbahnhof – Mülheim an der Ruhr, 2) Steele – Porscheplatz – Berliner Platz – Frintrop und 3) Recklinghausen – Gelsenkirchen-Buer – Altenessen – Berliner Platz – Hauptbahnhof – Bredeney. Von diesen ausgehend sollte es weitere Äste geben, etwa nach Frohnhausen, zur Messe und zur Margarethenhöhe.
Die innerstädtischen Tunnel wurden zwischen 1977 und 1991 realisiert, sodass die Gleise im Zentrum komplett von der Oberfläche verschwanden. Allerdings wurden bis heute nur Teile des Netzes nach Stadtbahnstandard mit Normalspurgleisen und Hochbahnsteigen ausgebaut. Zahlreiche Linien verkehren noch immer auf Meterspur mit Straßenbahnfahrzeugen. In einem der Tunnel liegen Dreischienengleise. Komplett kreuzungsfrei sind nur die U18 Essen Hauptbahnhof – Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof und der Südabschnitt der U11 zwischen Karlsplatz und Messe West-Süd/Gruga. Normalspurig, jedoch nicht kreuzungsfrei sind die Strecken zur Margarethenhöhe und nach Gelsenkirchen-Horst. Bei diesem Mischbetrieb wird es langfristig bleiben, da das Ziel einer kompletten Umstellung auf Normalspur aufgegeben wurde. Gründe dafür waren Bevölkerungsrückgang, Geldmangel und städtebauliche Probleme. Mittlerweile wird das eigentlich zur Stilllegung vorgesehene meterspurige Straßenbahnnetz wieder ausgebaut. Mit dem Projekt Citybahn kehrt diese nun sogar im Zentrum wieder an die Oberfläche zurück.
In diesem Beitrag wird gezeigt, welche Probleme die unvollendete Umstellung auf Normalspur- und Hochflurbetrieb hinterließ, und wie sie gelöst werden. Zudem werden die gegenwärtigen Ausbauvorhaben betrachtet.
Die Nordstrecke: Normalspur, aber Straßenbahnstandard
Mit der Eröffnung der Nordstrecke im Abschnitt Altenessen Bahnhof – Fischerstraße im Jahr 2001 war der Bau der normalspurigen Stadtbahn in Essen vorerst abgeschlossen. Die Strecke verläuft bis Karlsplatz im Tunnel und verlässt diesen vor der Haltestelle II. Schichtstraße, um dann straßenbündig durch Altenessen und Karnap bis zur Gelsenkirchener Stadtgrenze zu verlaufen. Später wurde sie auf Gelsenkirchener Gebiet noch einmal um zwei Haltestellen bis zur Buerer Straße im Stadtteil Horst verlängert. Mit dem in den 1960er und 1970er Jahren geplanten Ausbaustandard einer unabhängig trassierten Schnellbahn hat diese Strecke, die einst über Gelsenkirchen-Buer bis nach Recklinghausen führen sollte, außer der Spurbreite und den Hochbahnsteigen bereits nicht mehr viel gemeinsam.
Der Abschnitt Karlsplatz – Buerer Straße der Stadtbahn-Nordstrecke wurde nicht mehr nach Stadtbahnstandard angelegt, sondern gleicht einer Straßenbahn. Hier ist eine Doppeltraktion Docklands-Wagen am 14. März 2025 auf der Altenessener Straße unterwegs in Richtung Innenstadt (5238, P86, LHB 1986).
Es hat damals sogar Überlegungen gegeben, den an den Tunnel anschließenden Abschnitt meterspurig zu belassen. Er wäre dann durch die Straßenbahnlinie 106 bedient worden, die an der Haltestelle Altenessen Bahnhof über eine zusätzliche Rampe in den Tunnel eingeführt worden wäre. Bis Karlsplatz hätte es dann Dreischienengleise gegeben.
Strecke nach Bredeney bleibt meterspurig
Eine solche Situation gibt es heute im Süden des Essener Netzes. Während der Ast zur Messe und zur Grugahalle (U11) der 1986 eröffneten Südstrecke auf Normalspur umgebaut wurde, blieb derjenige nach Bredeney meterspurig. Auf der Strecke konnten wegen des gemeinsamen Abschnitts mit der U11 bis zur Martinstraße und der dortigen Hochbahnsteige lange nur Hochflurfahrzeuge mit Klapptrittstufen eingesetzt werden. Im Sinne der Barrierefreiheit konnte dies kein Dauerzustand sein. Ursprünglich sollte die Strecke nach Bredeney ebenfalls umgespurt und als U12 ins Stadtbahnnetz integriert werden. Dabei gab es jedoch städtebauliche Probleme wegen der Hochbahnsteige, die dadurch nötig geworden wären. Entweder hätten nur Stadtbahnwagen in Einzeltraktion eingesetzt werden können, oder die Strecke wäre nur bis zur Haltestelle Alfredusbad umgebaut worden. Der Rest wäre dann auf Busbetrieb umgestellt worden.
Seit 2023 können auf der Strecke nach Bredeney Niederflurwagen eingesetzt werden. Am 14. März 2025 hat Wagen 1512 (M8D-NF1, Bombardier 2000) in Kürze die Endhaltestelle erreicht.
Um 2007 war zur Lösung des Problems gar überlegt worden, die Strecke zur Messe auf Meterspur und für Niederflurstraßenbahnen umzubauen. 2008 fiel schließlich der Entschluss, die Strecke nach Bredeney in Meterspur zu belassen, und die Bahnsteige auf dem gemeinsam mit der U11 genutzten Strecke teilweise abzusenken. Diese waren mit 90 m Länge für Stadtbahnwagen in Dreifachtraktion angelegt worden. Durch die Absenkung von einem Drittel des Bahnsteigs können nun zwar Stadtbahnwagen nur noch in Doppeltraktion an diesen Stationen halten. Dafür können jedoch nach Bredeney Niederflurwagen eingesetzt werden. Begonnen wurde mit dem Umbau 2018, abgeschlossen wurde er 2023.
Die Haltestelle Florastraße befindet sich bereits nach dem Abzweig des Asts zur Messe, sodass hier nur Meterspurgleise liegen. Im Zuge des Umbaus für Niederflurfahrzeuge wurden hier die Gleise hochgeschottert. Bis Anfang 2025 kamen dennoch regelmäßig Hochflurwagen nach Bredeney, hier Wagen 1172 (M8C, Duewag 1983) am 14. Oktober 2024.
2014: erste Straßenbahn-Neubaustrecke
Im September 1991 wurde der erste und bis heute einzige Abschnitt der Ost-West-Spange vom Rathaus über den Rheinischen Platz zum Berliner Platz als dritter Innenstadttunnel in Betrieb genommen. Hier verkehren bis heute ausschließlich Meterspurwagen im „Stadtbahnvorlaufbetrieb“. Durch den Tunnelbau änderte sich der Weg der Linie 109 nach Frohnhausen. Diese war bislang vom Zentrum der Frohnhauser Straße gefolgt. Im Bereich der Einmündung der Ottilienstraße sind noch heute Gleisreste zu erkennen. Für die Strecke nach Frohnhausen war keine eigene Tunnelrampe vorgesehen. So wurde die Linie 109 fortan über die Rampe in der Altendorfer Straße und die Haltestelle Helenenstraße geführt.
Dies hatte eine starke Belastung des Knotens Helenenstraße zur Folge, an dem fortan fünf Linien verkehrten. Um diesen Flaschenhals zu beseitigen, wurde 2014 eine Neubaustrecke errichtet. Diese zweigt westlich der Haltestelle ThyssenKrupp von der Altendorfer Straße ab und führt über den Berthold-Beitz-Boulevard zur Frohnhauser Straße. Bei dem Abschnitt auf dem Berthold-Beitz-Boulevard im sogenannten Krupp-Gürtel handelt es sich quasi um den ersten Teil der Citybahn Essen. Diese wird ab 2026 eine neue oberirdische Verbindung zum Hauptbahnhof herstellen.
Das Projekt Citybahn Essen
Die Wiedereinführung einer oberirdischen Straßenbahn im Zentrum Essens wurde noch unter dem Namen Bahnhofstangente 2017 in den Nahverkehrsplan der Stadt Essen aufgenommen. Der damalige Plan enthielt zunächst nur eine Neubaustrecke von der Haltestelle Frohnhauser Straße an der Linie 109 über die Hachestraße zum Hauptbahnhof und weiter über die Hollestraße zur Strecke nach Steele. Damit sollte Ost-West-Spange entlastet werden. Mittlerweile wurde das Projekt im Osten erweitert bis zum Betriebshof Mitte. Dort soll die bisherige Betriebsstrecke in der Herkulesstraße ebenfalls ausgebaut und bedient werden.
Skizze für die neue Citybahn (Grafik: Stadt Essen)
Im Nordwesten kam ein Abschnitt von der Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Altendorfer Straße zur Haltestelle Bergmühle an der Strecke nach Borbeck zur Planung hinzu. Er erschließt das Quartier Essen 51, das im Krupp-Gürtel auf ehemaligem Zechen- und Industriegelände entsteht. Hier befand sich einst die Kruppsche Gussstahlfabrik, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut wurde. Im Mai 2020 fiel schließlich der Entschluss zum Bau der neuen Strecke, die zugleich den neuen Projektnamen Citybahn erhielt.
An der Haltestelle Bergmühle im Stadtteil Bochold wird die neue Strecke durch das Quartier Essen 51 ausfädeln. Hier legt Wagen 1623 (M8D-NF2, Bombardier 2017) am 21. August 2023 einen Halt ein.
Die gesamte Strecke der Citybahn Essen mit ihren zwei Neubauabschnitten ist 5,5 km lang und bedient elf Haltestellen. Von Ost nach West sind dies Betriebshof Stadtmitte, Hollestraße, Essen Hbf, Hindenburgstraße, Schwanenkampbrücke, Westendhof, Frohnhauser Straße, Krupp-Park, Zeche Amalie, Zollstraße und Bergmühle.
Stufenweise Eröffnung
Mit dem Bau der Citybahn Essen wurde Anfang 2024 begonnen. Nachdem im Bereich des Berthold-Beitz-Boulevards Bergschäden entdeckt wurden, musste der Zeitplan für die Inbetriebnahme gestreckt werden. Derzeit geht die Ruhrbahn davon aus, dass ein erster Abschnitt vom Betriebshof Stadtmitte bis zur Hindenburgstraße im Sommer 2026 fertiggestellt wird. Ein Jahr später folgt der Nordabschnitt von der Altendorfer Straße entlang dem Berthold-Beitz-Boulevard durch das Quartier Essen 51 zur Bergmühle. Als letzter Abschnitt der Citybahn Essen soll derjenige zwischen der Hindenburgstraße und der Frohnhauser Straße im Jahr 2028 in Betrieb gehen.
Neues Linienkonzept
Wenn die Citybahn Essen in vollem Umfang in Betrieb geht, wird das Meterspurnetz umgestaltet. Die 2015 eingeführte Verknüpfung der Linien 101 und 106 wird entfallen. Die 101 führt künftig von Borbeck über den Nordabschnitt der Citybahn durch das Quartier Essen 51 und biegt dann an der Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Altendorfer Straße auf die Ost-West-Spange ab. Weiter verläuft sie über Rathaus und die U-Haltestelle am Hauptbahnhof nach Rellinghausen. Die 103 von Dellwig führt künftig ab Rathaus nach Bredeney anstatt nach Steele. Die 105 verbleibt von Frintrop bis zur Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Altendorfer auf ihrem bisherigen Laufweg und wechselt dann auf die Citybahn zum Hauptbahnhof (oberirdisch). Von dort wird sie nach Steele statt wie bisher nach Rellinghausen führen.
Die 106 beginnt künftig in Bergeborbeck und verläuft wie bisher über Helenenstraße und Rüttenscheider Stern zum Hauptbahnhof (unterirdisch). Von dort übernimmt sie jedoch die bislang von der 108 bediente Strecke nach Altenessen Bahnhof. Ebenfalls in Bergeborbeck beginnt die Linie 108, die ab Bergmühle die neue Citybahn Essen in voller Länge bis Betriebshof Mitte bedient. Unverändert bleiben die Linien 104, 107 und 109.
Baustellenbedingte Änderungen
Seit 10. März 2025 sind aufgrund der Bauarbeiten die Streckenabschnitte Helenenstraße – ThyssenKrupp, ThyssenKrupp – Frohnhausen Breilsort und Helenenstraße – Borbeck Germaniaplatz gesperrt. An den Kreuzungen Berthold-Beitz-Boulevard/Altendorfer Straße und Berthold-Beitz-Boulevard/Frohnhauser Straße werden bis Juli die Gleisverbindungen zur neuen Citybahn-Strecke hergestellt. Die Strecke zwischen Helenenstraße und Borbeck Germaniaplatz wird im Bereich der Haus-Berge-Straße grundlegend modernisiert und erhält einen eigenen Bahnkörper. Diese Sperrung wird rund zweieinhalb Jahre dauern. Die Linien 101/106 werden daher zwischen Rathaus und Borbeck im Schienenersatzverkehr geführt.
Wagen 1054 (M8D-NF4, Alstom 2022) verlässt am 14. März 2025 die Wendeschleife an der Helenenstraße auf der Linie 103 nach Dellwig.
Die Linien 103 und 105 sind derzeit zwischen Helenenstraße und Rathaus unterbrochen und werden in diesem Abschnitt im Schienenersatzverkehr geführt. Auf der 103 zwischen Dellwig und Helenenstraße sowie zwischen Rathaus und Steele und auf der 105 zwischen Frintrop und Helenenstraße sowie zwischen Rathaus und Rellinghausen verkehren Trams. Die 109 wird zwischen Frohnhausen und Rathaus im Schienenersatzverkehr geführt; zwischen ThyssenKrupp und Steele fahren Straßenbahnwagen.
An der Haltestelle Helenenstraße geht es derzeit mitunter eng zu. Hier ist Wagen 1069 (M8D-NF4, Alstom 2024) am 14. März gerade aus der Wendschleife gekommen. Nach Aufnahme der Fahrgäste wird er nach Frintrop aufbrechen.
Durch das Ersatzkonzept herrscht auf der sonst kaum genutzten Schleife an der Haltestelle Helenenstraße derzeit Hochbetrieb. Hier wenden die Linien 101/106, 103 und 105.
Wagen 1618 (M8D-NF2, Bombardier 2014) ist am 14. März 2025 auf der Schleife Helenenstraße gerade in die Husmannshofstraße eingebogen.
Die nordwestlichen Äste der Linien 103 und 105 sind derzeit nur über Helenenstraße und Rüttenscheider Stern an das Restnetz angebunden.
Hier ist Wagen 8013 (M8D-NF2, Bombardier 2014) am 15. März 2025 auf dem letzten eingleisigen Abschnitt des Meterspurnetzes zwischen Dellwig Bahnhof und Wertstraße am Ende der Linie 103 unterwegs.
Sanierung der Strecke nach Steele geplant
Ab Juli 2025 wird zudem die Strecke nach Steele für Sanierungsarbeiten mehrere Jahre lang gesperrt. Erst 2028 werden wieder Trams bis zur Haltestelle Knappschaftskrankenhaus fahren. Der Abschnitt bis Steele Bahnhof bleibt gar bis 2030 gesperrt.
Wagen 1523 (M8D-NF1, Bombardier 2000) erreicht am 15. März 2025 auf dem Weg nach Steele die Haltestelle Parkfriedhof im Stadtteil Huttrop (15. März 2025).
Bei den Arbeiten werden Gleise und Oberleitungen erneuert. Die Haltestellen Wasserturm, Wörthstraße, Knappschaftskrankenhaus und Stadtgarten werden barrierefrei ausgebaut. An den bereits barrierefrei ausgebauten Haltestellen Schwanenbuschstraße, Parkfriedhof und Dinnendahlstraße werden die Bahnsteige verlängert. Somit können dort künftig 40 m lange Wagen halten. Zwischen Stadtgarten und Steele Bahnhof entsteht zudem die neue Haltestelle Holbeckshof.
Der Abschnitt hinter der Schleife Knappschaftskrankenhaus bleibt bis 2030 gesperrt, hier am 15. März 2025 mit Wagen 1621 (M8D-NF2, Bombardier 2014).
Die Arbeiten werden gemeinsam mit den Stadtwerken geplant und durchgeführt, da zugleich Leitungen erneuert werden. Zudem wird der gesamte Straßenraum neu gestaltet, was die lange Dauer der Sperrung erklärt.
Wagen 1618 (M8D-NF2, Bombardier 2014) hat am 15. März die Steigung vom Bahnhof Steele herauf erklommen und auf dem Weg zum Rathaus gerade die Haltestelle Stadtgarten verlassen.
Weitere Ausbaupläne: Oberhausen und Bredeney
Neben der Citybahn gibt es noch im Nordwesten des Netzes ein Neubauprojekt. Die derzeit an der Unterstraße im Stadtteil Frintrop endende Linie 105 soll ins benachbarte Oberhausen verlängert werden. Dort würde sie Anschluss an die Linie 112 herstellen. Ein solches Projekt hatte es 2015 bereits einmal gegeben; es scheiterte seinerzeit jedoch knapp an einem Ratsbürgerentscheid. Der Rat der Stadt Oberhausen hat 2024 mit veränderter Streckenführung und ohne die ursprünglich geplante Hochtrasse den Bau beschlossen. Die Linie würde zunächst entlang der Essener Straße führen und dann nach rechts in das einstige Stahlwerksgelände einbiegen. Nördlich des Einkaufszentrums Centro ist die Einfädelung in die ÖPNV-Trasse Oberhausen geplant. Die Trams könnten alternierend Oberhausen Hauptbahnhof und Sterkrade anfahren. In Oberhausen geht man von einer Eröffnung im Jahr 2030 aus.
Auch für die normalspurige Stadtbahn gibt es noch Ausbaupläne. Bereits länger in der Diskussion ist eine Anbindung des Büroparks Bredeney, wo sich unter anderem die Zentrale der Warenhauskette Galeria befindet. Hier wurden zwei Varianten untersucht, die Verlängerung der U11 ab Messe/Gruga und die der U17 ab Margarethenhöhe. Eine standardisierte Bewertung fiel im März 2025 zugunsten der U17-Verlängerung aus. Die Realisierung dürfte hier jedoch noch in ferner Zukunft liegen.
Ausschreibung für längere Meterspurwagen geplant
Die Auslieferung der Niederflurwagen des Typs M8D-NF4 von Alstom ist mittlerweile fast abgeschlossen. Somit ist im Meterspurnetz wohl auch nach Beendigung des derzeitigen Schienenersatzverkehrs nicht mehr mit dem Einsatz der hochflurigen Duewag M8C zu rechnen. Bis Anfang März 2025 waren diese noch beinahe täglich auf einigen Verstärkerkursen der Linie 107 im Einsatz.
Der mit einer Ganzreklame für das Aalto-Theater versehene Wagen 1152 (M8C, Duewag 1984) war am 14. Oktober 2024 als Verstärker auf der „kurzen“ Linie 107 im Einsatz. Hier steht er früh morgens an der Wendeschleife Abzweig Katernberg.
Als Ablösung für die mittlerweile 25 Jahre alten M8D-NF1 und wegen des Mehrbedarfs aufgrund der Citybahn Essen plant die Ruhrbahn in naher Zukunft die Ausschreibung von 40 neuen meterspurigen Niederflurwagen. Im Gegensatz zu den bisher 30 m langen Fahrzeugen sollen sie 40 m lang werden. Auf stark nachgefragten Strecken wie nach Frintrop und Steele werden die Haltstellen entsprechend angepasst. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die STOAG in Oberhausen an der Ausschreibung beteiligen. Die SWK in Krefeld erwägen dies ebenfalls. In Oberhausen stehen Duewag MGT6D aus den 1990er Jahren zur Ablösung, während in Krefeld noch einige Duewag M8C unverzichtbar sind.
Generationswechsel bei den Stadtbahnwagen
Bei den normalspurigen Hochflurwagen steht ein Generationswechsel bevor. Die Ruhrbahn hat 2019 beim spanischen Hersteller CAF 51 Stadtbahnwagen des Typs N6D-HF1 bestellt. Die ersten beiden Prototypen trafen 2024 in Essen ein. Mit den Fahrzeugen werden sowohl die mittlerweile teils knapp 50 Jahre alten und störanfälligen Duewag B80C, B80S und B100S als auch die Docklands-Wagen P86 und P89 von LHB und BREL komplett abgelöst.
Die beiden B-Wagen 5121 (B80C, Duewag 1978) und 5105 (B80C, Duewag 1976) überqueren am 15. März 2025 auf dem Weg in Richtung Innenstadt die Zweigertbrücke über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal.
Erste Einsätze sollen noch 2025 erfolgen. Die komplette Auslieferung ist bis 2026 geplant. Damit werden dann auch im Stadtbahnnetz die Fahrzeuge aus den 1980er Jahren Geschichte sein. Die HF1 aus Spanien werden dann zum neuen Gesicht der unvollendeten Stadtbahnplanungen aus den 1960ern Jahren.
Wagen 5229 (P89, BREL 1989) und ein zweiter Docklands-Wagen sind am 15. März 2025 auf der Karnaper Straße im gleichnamigen Stadtteil unterwegs.
Literatur und Links
Christoph Gorneck / Paul Lohkemper / Robert Schwandl: Rhein-Ruhr Stadtbahn Album 1. Berlin 2006.
Stadt Essen: Nahverkehrsplan, 2. Fortschreibung für den Zeitraum 2017 – 2025. Essen 2017.
Matthias Vollstedt: Kommunalpolitik braucht langen Atem oder: 32 Jahre Vorgeschichte Citybahn. Drehscheibe Online 2023.
Ruhrbahn: Citybahn – Zukunftslinien für Essen