Die Métro Léger de Charleroi wird oft als Beispiel für die verfehlte Verkehrsplanung der spätindustriellen Epoche der 1960er bis 1980er Jahre bezeichnet. Hochstraßen und Stadtbahntunnel galten damals als zukunftsweisend und Geld schien keine Rolle zu spielen. Ähnlich wie im Ruhrgebiet wollte man in den 1960er Jahren das Straßenbahnnetz der wallonischen Stahlstadt schrittweise in eine U-Bahn mit Tunneln oder Hochtrassen umwandeln. Wie auch dort, wurde das Vorhaben nur in Ansätzen realisiert und blieb in einer Übergangsphase stecken.
Geplant war ein Netz aus einem Innenstadtring und acht Außenästen. Doch bis in die 1990er Jahre war lediglich der Ast nach Anderlues fertiggestellt, dazu ein Teil des Rings und ein kurzes Streckenstück nach Gilly. Eine weitere Strecke nach Centenaire wurde zwar teilweise gebaut, jedoch bis heute nicht in Betrieb genommen. Absurderweise wurden bis Anfang der 1990er Jahre parallel zahlreiche Straßenbahnstrecken stillgelegt, ohne dass es für sie Ersatz gegeben hätte.
Netzplan der Métro léger de Charleroi von 2026 (Wikimedia Commons / IIVQ, CC BY-SA)
Der Ring wurde 2012 schließlich als Straßenbahn komplettiert und nicht, wie einst geplant, als Hochtrasse. Die Straßenbahnstrecke nach Gosselies, die als Anbindung eines Depots noch vorhanden war, wurde 2013 wiedereröffnet. Im kommenden Jahr soll nun auch endlich die Centenaire-Strecke in Betrieb gehen. Endbahnhof wird nun jedoch Les Viviers beim neuen Krankenhaus statt, wie ursprünglich geplant, die Nachbargemeinde Châtelet.
Zahlreiche Stationen sind im typischen Stil der 1980er Jahre gestaltet, wobei einige jedoch schon durch Umbauten ihren ursprünglichen Charakter verloren haben. Die Architektur ist teilweise geradezu futuristisch, oft durch eine Kombination von Sichtbeton und farbenfrohen Gestaltungselementen geprägt. Ihr im Besonderen ist diese Fotoserie gewidmet.

Als erster Abschnitt der Métro léger de Charleroi ging 1976 die Rampe vom Bahnhof Charleroi-Sud zur Station Villette in Betrieb. Bei dieser handelte es sich um die erst Hochbahnstation Belgiens. Dieser Abschnitt ist seit Oktober 2025 im Zuge der Sanierung außer Betrieb. Der Betreiber TEC hat beschlossen, die nur sehr schwach frequentierte Station aufzulassen. Am 20. April 2025 ist hier Wagen 7413 (GT6 6100, BN 1981) unterwegs nach Gosselies.

Der Vorplatz des Bahnhofs Charleroi-Central, bis 2022 Charleroi-Sud, wurde von 2021 bis 2023 umgestaltet. Wegen der Arbeiten an der Hochtrasse der Ringstrecke ist derzeit die provisorische Endstation der Métro léger. Hier treffen sich am 21. Mai 2026 zwei noch nicht modernisierte Wagen (7441 und 7445, beide GT6 6100, BN 1982).

Bis zum Umbau befanden sich neben der Rampe zur Station Villette noch zwei Abstellgleise, hier am 9. Oktober 2010 mit den Wagen 7427 (GT6 6100, BN 1982) und 7411 GT6 6100, BN 1981).

Eine der zentralen Stationen ist Waterloo, gebaut nach Plänen des Architekten Jean Yernaux. Sie wurde bereits in den 1980er Jahren fertiggestellt, ging jedoch erst 1992 in Betrieb. Hier sind die ursprünglichen Zugangsbauwerke im charakteristischen Stil der Erbauungszeit noch erhalten (20. Mai 2026).

An der Station Waterloo zweigt die Strecke in Richtung Gilly und Soleilmont nach Osten vom Ring ab. Diese gabelt sich bald darauf erneut in den Ast nach Soleilmont und den nicht fertiggestellten nach Châtelet. Außerdem gibt es eine Bauvorleistung für den Ast nach Gosselies, der jedoch später auf seiner ursprünglichen Trasse entlang der Chaussée de Bruxelles belassen wurde. Der Bahnsteig rechts wird nicht genutzt. Die Zugänge zur Station sind verschachtelt; die Verteilerebene befinden sich unterhalb der Gleisebene (20. April 2025).

Kathedralenartig, aber auch übel mit Taubenkot verschmutzt, präsentiert sich die fünfgleisige Station Palais, bis 2023 Beaux-Arts. Hier zweigt die Strecke nach Anderlues und Gosselies vom Ring ab. Die nach Plänen des Büros Groupe Structure errichtete Station wurde 1983 eröffnet. Bis 1992 war sie Endpunkt des Innenstadtrings, östlich schließt direkt eine unterirdische Wendeschleife an. Aus dieser Richtung fährt hier am 18. Mai 2026 Wagen 7427 (GT6 6100, BN 1981) ein. Der Außenbahnsteig wird seit 2012 nicht mehr genutzt.

Die Station Palais von der Abraumhalde Terril de Piges aus gesehen: rechts der Innenstadtring in Richtung Ouest, vorne links die Strecke nach Anderlues und Gosselies. Beim Umbau 2021 bis 2023 wurde die Bushaltestelle auf das Dach der Station verlegt; vorher hatten sich dort Parkplätze befunden. Damals verschwanden auch die ursprünglichen Zugangsgebäude (18. Mai 2026).

Blick in die Gegenrichtung: Wagen 7441 (GT6 6100, BN 1982) kommt hier aus Richtung Anderlues / Gosselies. Links der Ring aus Richtung Ouest, rechts im Hintergrund ist die Station Piges zu sehen. Die Strecke von Ouest nach Piges ging bereits 1980 in Betrieb (22. Mai 2026).

Der modernisierte Wagen 7448 (GT6 6100, BN 1982) fährt am 18. Mai 2026 von Gosselies in die Station Palais ein.

Der erste Halt nach dem Abzweig vom Ring in Richtung Anderlues ist die aufgeständerte Station Piges. Sie ging 1980 in Betrieb und wurde 2014 bis 2015 saniert. Dabei ging insbesondere das ursprüngliche Erscheinungsbild von außen verloren. Hinter der Station zweigt nach rechts der Ast nach Gosselies ab. Wagen 7422 (GT6 6100, BN 198) ist am 18. Mai 2026 unterwegs in Richtung Palais.

Die Skulpturen am östlichen Bahnsteigende der Station Piges blieben bei der Modernisierung erhalten (20. April 2025).

Nach einem Tunnelabschnitt unter der Abraumhalde Terril de Piges folgt auf Piges die Station Dampremy. Sie wurde 2017 bis 2018 umfassend modernisiert, wobei die ursprünglichen, recht brachial wirkenden Zugangsbauten ersetzt wurden. Im Hintergrund ist die Abraumhalde zu sehen (20. Mai 2026).

Der Abschnitt Dampremy – Morgines der Strecke nach Anderlues ging 1992 in Betrieb. Direkt hinter Dampremy quert sie als Hochtrasse den Canal de Charleroi à Bruxelles, der hier von der Sambre abzweigt. Im Hintergrund der stillgelegte Hochofen Nr. 4 und das Stahlwerk Industeel Belgium, gesehen von der Abraumhalde Terril de la Blanchisserie (25. Mai 2026).

Wagen 7441 (GT6 6100, BN 1982) quert am 22. Mai 2026 auf dem Weg von Anderlues den Kanal.

Die 1992 eröffnete Station Providence befindet sich mitten im Industriegebiet auf einer Hochtrasse. Hier ist Wagen 7419 (GT6 6100, BN 1981) am 22. Mai 2026 unterwegs nach Anderlues.

Die Station Moulin in Monceau-sur-Sambre ist in grellem Rot gehalten und befindet sich noch weitgehend im Originalzustand. Sie ging ebenfalls 1992 mit dem Abschnitt Dampremy – Morgines in Betrieb. Der hier links sichtbare Fußgängersteg über eine Hauptstraße ist allerdings gesperrt (20. Mai 2026).

Im Gegensatz zur Station Providence ist hier der gesamte Bahnsteigbereich eingehaust (22. Mai 2026).

Blick von der östlichen Stirnseite der Haltstelle Moulin: Wagen 7448 (GT6 6100, BN 1982) ist unterwegs nach Anderlues (22. Mai 2026).

Ein herausragendes Bauwerk ist die Station Leernes, die sich auf freiem Feld befindet. Sie ging bereits 1983 mit dem Abschnitt Morgines – Paradis in Betrieb (18. Mai 2026).

Der Zugang zum in einem Einschnitt gelegenen Mittelbahnsteig erfolgt von einem Park- and Ride-Parkplatz über ein futuristisches Brückenbauwerk mit Waschbetonelementen (18. Mai 2026).

Auch hier ist der Bahnsteigbereich überdacht; Wagen 7411 (GT6 6100, BN 1981) ist auf dem Weg nach Anderlues (18. Mai 2026).

Die nächstgelegene Wohnbebauung ist mehrere Hundert Meter entfernt. Zu Zeiten des Baus war hier eine Wohnsiedlung geplant, die jedoch aufgrund des Strukturwandels nicht mehr realisiert wurde – eine ähnliche Situation wie bei der nie in Betrieb genommenen Station Angerbogen an der U79 in Duisburg. Im Unterschied zu dieser wird Leernes jedoch im 15-Minuten-Takt bedient (18. Mai 2026).

Weniger spektakulär ist die in zwei Etappen 1992 und 2012 eröffnete Strecke nach Gilly und Soleilmont. Sie verläuft teils im Tunnel, teils in Einschnitten. Hier ist 7412 (GT6 6100, BN 1981) in der 1992 eröffneten Station Gazomètre unterwegs nach Soleilmont (20. April 2015). Die von Jean Yernaux entworfene Station wurde 2014 modernisiert.

Hier hat Wagen 7448 (GT6 6100, BN 1982) gleich die 2012 eröffnete Station Marabout erreicht (18. Mai 2026).

Wagen 7404 (GT6 6100, BN 1981) verlässt hier die Station Marabout (18. Mai 2026).

An der Endstation Soleilmont wurde eine Wendeschleife angelegt. Wagen 7440 (GT6 6100, BN 1982) ist hier gerade aus der Innenstadt angekommen (18. Mai 2026).

Seit vier Jahrzehnten ohne regulären Verkehr ist die unvollendete Strecke nach Châtelet. Die Stationen hier wurden 1992 bis Centenaire fertiggestellt und der Fahrdraht unter Strom gesetzt, doch die Strecke ging nie in Betrieb. Sie wurde bislang vor allem für die Ausbildung von Fahrpersonal verwendet, während die Haltestellen verfielen, ohne dass sie je bedient wurden. Mittlerweile laufen jedoch die Arbeiten für die Inbetriebnahme. Die Strecke führt nun jedoch nicht nach Châtelet, wie einst geplant. Neuer Endpunkt ist Les Viviers, wo sich ein großes Krankenhaus befindet. Hier die Station Neuville (20. Mai 2026).

Die Strecke ist zu einem großen Teil als Hochtrasse angelegt. Derzeit ist die Eröffnung mit der neuen Linie M5 für August 2027 vorgesehen. Damit wird das Kapitel „Métro fantôme“ nach rund 35 Jahren ein Ende haben (20. Mai 2026).


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